10 Fragen - 10 Antworten
1. Es gibt so viele verschiedene Taping Kurs Angebote. Wie erkenne ich Unterschiede? Wie weiß ich was mir erwartet? Welches Niveau, welchen Hintergrund hat der Referent? Welche Literaturangaben gibt es? Welche konzeptuelle Erläuterungen gibt es bei der Beschreibung des Kurses, z.B. wird neuro-muskulo-skelettal umfassend, befundorientiert und therapieziel-bezogen vorgegangen? Wird der Stellenwert des Tapings bzw. einer Tapeanlage im Rahmen eines Gesamtbe-handlungskonzepts erläutert?
2. Wie funktioniert es, welche Erklärungen gibt es für die Behandlungserfolge beim elastischen Taping? Placebo: der Placebo Effekt jeglicher Therapie beträgt ca. 30%. Dieser Effekt kann höher oder niedriger sein und hängt vom Patient, Therapeut, Therapie usw. ab. Der Placebo Effekt ist optimal zu nützen, nimmt aber die Verantwortung einer adäquaten Therapie, wie eine spezifische Tapeanlage, nicht weg.
- Mechanische Eigenschaften vom elastischen
Material: Die Richtung des Zuges des elastischen Material erleichtert
oder erschwert eine Bewegung, bzw. kreiert einen Anheben der Haut und oder verändert die mechanorezeptive Afferenz.
- Änderung der mechanorezeptiven Afferenz: Eine gezielte Tapeanlage auf der Haut wirkt wie eine zusätzliche Faszie und verändert den Widerstand beim Bewegen und die Antwort des zentralen Nerven-systems. Wird ein Ziehen bzw. der Hautkontakt einer Tapeanlage wahrgenommen, ist dies die Be- wußtseinsebene der geänderten Afferenz. Geänderte Afferenz könnte eine verbesserte motorische Efferenz bzw., über z.B. die Gate Control Theorie, eine Schmerlinderung erklären.
- Reziproke Inhibition. Wenn eine Tapeanlage den Widerstand bei einer Bewegung vergrößert, könnte dies die Antagonisten besser entspannen lassen.
- Fazilitierung: Tapeanlagen in einer verkürzten Stellung des Muskels ermöglicht eine schnellere Aktivierung bei Verlängerung des Muskels.
- Artikuläre Korrektur, mit mehr oder weniger Tapezug, ermöglicht eine bessere Arthrokinematik und könnte bei Optimierung des Bewegungsablaufs in Schmerzlinderung resultieren.
3. Gibt es Literatur, Evidenz für elastisches Taping? Ja, etwas. Seit ca. 2003 gibt es kleinere klinische Studien, zuerst in Korea, Japan, mittlerweile auch in Europa und USA die die klinische Effektivität von einzelnen Tapeanlagen mehr oder weniger belegen. Allerdings sind die Studien zu kritisieren und gibt es keine Evidenz für die hypothethische Erklärungen ausser für die arthrokinematische Korrektur. Wird Literatur, Evidenz im Kurs besprochen, werden Hintergründe (Rationalen) einer Tapeanlage erörtert?
4. Gibt es Qualitätsunterschiede beim Tapematerial ? Worauf muss ich bei der Anschaffung vom elastischen Tape achten? Das Herkunftsland des Tapes sagt etwas über die Qualität der Baumwolle. Ebenfalls über die chemische Qualität des zugesetzten Farbstoffs. Wie sind sonst die Produkte aus diesem Land? Ist das Tape sehr dünn und somit nicht reißfest und ungeeignet für artikuläre mechanische Tapeanlagen? Wie elastisch ist das Tape, bzw. wie schlaff fühlt es sich ohne Folie an? Wieviel Klebstoff ist auf dem Tape angebracht? Bei Billigtapes muss auf etwas gespart worden sein …
5. Wieso gibt solche unterschiedliche Hautreaktionen bei verschiedenen Tapes? Vor allem durch die Menge an Farbstoff(Chemie) und oder des Klebstoffs bzw suboptimale Qualität der Baumwolle, kann es bei empfindlicher Haut zu starken Reaktionen kommen.
6. Warum sollte ich keinen Kleber unter das Tape sprühen ? Dadurch gehen die elstischen Eigenschaften des Tapematerials verloren.
7. Was sind wichtige Qualitätsmerkmale eines Kurses? Werden die Kurse überregional in renommierten Zentren bzw. in modulären Form auch auf Fachhochschulen oder Universitäten angeboten? Sind die Referenten an Veröffentlichungen(z.B. in Buch-, Artikelform etc.) oder an Studien beteiligt bzw. arbeiten sie mit?
8. Was sind Cross Patches und wie funktionieren diese ? Spezielle gitterförmige Tapes scheinen lokale Störungen wie z.B. Trigger Points effektiv zu beeinflussen. Die Ergebnisse sind manchmal unglaublich, aber noch nicht erklärbar. Das Geheimnis der Orginal Gittertapes ist nicht gelüftet. Nachbildungen scheinen klinisch deutlich weniger wirksam.
9. Welche Rolle spielen unterschiedliche Farben ? Es gibt unbestritten unterschiedliche Effekte durch Farben. Farbtheorien gibt es in vielen Kulturen. Aus der Auriculomedicinae gibt es Evidenz über die Wirkung des Frequenzspektrums einer Farbe. Jedoch scheint die Relevanz von Farbeinsatz in der neuro-muskulo-skelettalen Physiotherapie sehr begrenzt. Manche Patienten wünschen sich eine bestimmte Farbe. Wunderbar, aber kontrolliere den Effekt der Tapeanlage dennoch selbstkritisch! Sportler tendieren bei sichtbaren Tapeanlagen vermehrt zu unauffälligen hautfarbigen Anlagen.
10. Brauche ich verschiedene Tapebreiten ? Nicht unbedingt, da 5cm breites Tape sich problemlos schneiden lässt, bzw. 2 über- lappende Zügel eine 7,5cm Breite ermöglicht. Zuviel herumliegendes Tape verliert unter Umstände auch an Haftbarkeit und ist totes Kapital.